Der „Artemis 2“-Erfolg ist für Russland ein bitterer Moment

Russlands Raumfahrt kämpft mit vielen Problemen

Tatsächlich verschiebt die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos immer wieder Expeditionen, nachdem ihre erste unbemannte Mondmission seit 1976 kläglich gescheitert war. Die Sonde „Luna-25“ zerschellte im August 2023 an der Mondoberfläche – eine teure Schlappe, nachdem sogar Indien zuvor eine Sonde dort mit Erfolg hingebracht hatte.

Von Gagarin bis Artemis - Russland fällt in Raumfahrt zurück
Der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin in seinem Raumanzug, kurz vor dem Start zum ersten bemannten Weltraumflug vom Weltraumbahnhof Baikonur aus.Lehtikuva/dpa

Klar ist, dass Russland viel Geld in seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine steckt, das an anderer Stelle fehlt. Zusätzlich spürt das Land den Druck westlicher Sanktionen. Aber zu Sowjetzeiten im Kalten Krieg hielt das Moskau nicht davon ab, führend zu sein. Schon 1957 löste das Land den „Sputnik“-Schock aus, als es überhaupt erstmals ins Weltall vordrang. Gut zehn Jahre später – 1969 – gelang den USA eine bemannte Mondlandung.

Experte Trischkin hält Russlands Probleme heute für tiefgreifend. „Die Branche befindet sich in einer Stagnationsphase, die mit einem Personalüberhang, untragbaren Schulden bei den wichtigsten Unternehmen und einer Unterfinanzierung in allen Bereichen einhergeht“, schreibt er in einer Analyse für die Denkfabrik Carnegie.

Moskau hält an Mondprogramm fest

Zwar hält Russland an seinen Mondplänen fest. Roskosmos-Chef Dmitri Bakanow träumt sogar davon, dass Kosmonauten von dort aus zum Mars fliegen. Trischkin allerdings meint, das Land habe den Anschluss verpasst und könne allenfalls noch technische Lösungen für eine künftige Mondstation beisteuern – etwa bei der Nutzung von Kernenergie für den Betrieb einer solchen Anlage.

Bei der noch bis zum 12. April laufenden ersten „Woche der Raumfahrt“ in Moskau hat der Atomkonzern Rosatom gerade angekündigt, er wolle kleine atomare Reaktoren für einen solchen Außenposten der Menschheit auf dem Mond bauen, die mindestens zehn Jahre autonom laufen könnten. Auch ein atomarer Antrieb für Raketen sei möglich.

Zum Erfolg der vier Nasa-Astronauten, die den Mond nun umrundet haben, sagt der Kosmonaut Alexej Subrizki in Moskau, dass dies Ansporn für eine bemannte Mission womöglich in Kooperation mit anderen sein sollte. „Solche Errungenschaften unserer Partner in der Raumfahrt zwingen uns, uns selbst in diese Richtung zu bewegen und womöglich sogar die Schritte zu beschleunigen“, sagt er vorsichtig.

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